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 2014 

 

 

25.03.2014

Kunststudenten finden Inspiration am Stadtrand

inspiration 1Zeit und Raum, sich auszuprobieren, bietet der Wintercampus der Künstlerstadt Kalbe diesen elf jungen Kunststudenten. Um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, engagieren sich die Mitglieder des Künstlerstadtvereins in der Mildestadt. Foto: Anke Kohl

 

Von Anke Kohl ›

Er war nicht geplant - der Wintercampus im Zuge des Künstlerstadtprojektes in Kalbe. Und doch hat Initiatorin Corinna Köbele am Sonnabend offiziell elf Stipendiaten begrüßt. Kalbe l Der erste Campus der Künstlerstadt Kalbe im vergangenen Sommer hat einer der Stipendiatinnen so besonders gut gefallen, dass sie an ihrem Studienort in Halle begeistert davon berichtete. Und so wurde Katrin Parotat unvermittelt zur Initiatorin der Winterauflage des Studiencampus in der Mildestadt. "Ich habe eigentlich fast nichts dazu getan", entschuldigte sich Corinna Köbele mit einem Augenzwinkern und hob in angedeuteter Hilflosigkeit die Schultern. "Ich war`s nicht", sagte sie lächelnd und verwies auf die Kunststudentin, die an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Werbung für Kalbe machte. In Eigenregie haben einige der Studenten vom Sommercampus ihren Kommilitonen vom Kalbenser Kunstprojekt berichtet. In einem eigens organisierten Jour fixe stellten sie die Künstlerstadt Kalbe in den Mittelpunkt des Treffens. Und danach hatten Katrin Parotat, Lena-Teresa Florschütz und einige ihrer Sommercampus-Kollegen kein Problem, weitere Studenten für die Kalbenser Idee zu begeistern. Die fast kompletten Unterlagen der Studenten reichten sie an Corinna Köbele mit der Bitte weiter, ein weiteres Mal den Aufenthalt in der Künstlerstadt zu ermöglichen. Für rund eine Woche sind nun Catherine Sanke, Lisa Kotkamp, Katrin Parotat, Beate Körner, Lena-Teresa Florschütz, Lisa Marie Quester, Anne Oertel, Paul Striegel, Jonathan Gentilhomme, Hannah Maria Mayer und Sophie Wolf Studiengäste im beheizten Atelier an der Vahrholzer Straße. Zeit und Platz, ihre Ideen zu suchen, zu finden und umzusetzen, haben die Studenten in Kalbe jedenfalls. Dass sich einige von ihnen unmittelbar von ihrer Umgebung inspirieren lassen, erzählten sie während des ersten Rundgangs durch die Räume. Unter anderem wird Catherine Sanke frisch gegossene Betonplatten auf dem Gelände an der Vahrholzer Straße 50, in Nachbarschaft zur Firma Milde-Beton, als Bildträger für ihre Arbeit nutzen. Die Firma hat die Atelierräume auch bereitgestellt (Volksstimme berichtete): Ein weiteres Projekt, das die jungen Künstler umsetzen wollen, hat etwas mit dem aktuellen Tagesgeschehen, das die Kalbenser gerade bewegt, zu tun (Bericht links). Das Ergebnis werden sie vorstellen. Vorgestellt wurde am Sonnabend auch die kunterbunte Spendenbox, die bei allen Aktionen und Terminen dabei ist. Wer das Projekt Künstlerstadt außerhalb eines Rundgangs fördern und unterstützen möchte, findet alle Daten auf folgender Internetseite: www.kuenstlerstadt-kalbe.de Bilder Bunt steht in Kalbe für das Projekt Künstlerstadt.

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Bunt ist eben auch die - noch leere - Spendenbox, die Marika Winter zeigte. Quelle: Foto: Anke Kohl

 

 

 

 

©https://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/gardelegen/1249307_Kunststudenten-finden-Inspiration-am-Stadtrand.html

 

 

 

Eine Rückkehr ist nicht ausgeschlossen

Am kommenden Wochenende fällt der offizielle Startsschuss für den diesjährigen Sommercampus der Künstlerstadt Kalbe. Dann finden wieder regelmäßig Rundgänge durch die Atelierräume statt. Einen Vorgeschmack darauf gab es bereits am Sonnabend, als zwei portugiesische Künstler ihre Arbeiten präsentierten

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Telma Marques dos Santos vor einem ihrer Kunstwerke Telma Marques dos Santos vor einem ihrer Kunstwerke

 

Kalbe l Telma Marques dos Santos und Tiago Veroade de Oliviera sind wieder zu Hause. Am Sonntag haben die beiden portugiesischen Künstler, die seit Ende Juni als "Artists in residence" in Kalbe gewohnt und gearbeitet hatten, die Heimreise angetreten - aber nicht, ohne ihre Werke, die in den vergangenen Wochen entstanden sind, einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dazu gab es am Sonnabend einen Rundgang durch die Atelierräume. Kreative Projekte als Berufsziel Und daran nahm dann auch noch eine weitere Portugiesin teil: Joana Gomes. Sie ist die Freundin von Stephan John und besuchte am Wochenende mit ihm dessen Mutter Hilda John in Kakerbeck. Die hatte unmittelbar zuvor in der Zeitung gelesen, dass zwei junge Künstler aus Portugal in Kalbe aktiv sind und war der Meinung: "Das wäre doch mal wieder eine tolle Gelegenheit für Joana, portugiesisch zu sprechen." Denn so groß seien die Möglichkeiten in Deutschland ja nicht. Schließlich leben ihr Sohn und seine Freundin, die sich vor drei Jahren in England kennen gelernt haben, schon seit einiger Zeit zusammen in Leipzig. Und so fuhr die Familie am Sonnabend nach Kalbe.

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Carl Vetter (rechts) erläutert etwas beim Rundgang durch ein Kunstlerstadt-Atelier

Dorthin könnte es aber auch Telma Marques dos Santos bald zurückziehen. Denn die 30-Jährige, die wie ihr Kollege Tiago ein Studium der Bildenden Kunst abgeschlossen hat, findet in ihrer Heimat keine Arbeit. Gern würde sie etwas mit Kindern machen. Warum nicht in Deutschland? Es gäbe schließlich, sagte Künstlerstadt-Initiatorin Corinna Köbele, ein neues Förderprogramm der Europäischen Union, das derartige Projekte fördere. Mit den Kindern könnte kreativ gearbeitet werden, gleichzeitig würde ihnen dabei die englische Sprache näher gebracht. Denn Deutsch kann Telma Veroade dos Santos (noch) nicht, Englisch aber sehr wohl. Sommercampus in der Künstlerstadt Kalbe Deshalb mussten während des Atelier-Rundganges am Sonnabend auch Corinna Köbele sowie Carl Vetter als Dolmetscher agieren. Letzterer ist ebenfalls bildender Künstler, lebt in Langenapel und hatte die beiden Portugiesen vor einiger Zeit bei einem Workshop in deren Heimatland kennen gelernt. Dabei hatte er sie dann auch auf die Möglichkeiten aufmerksam gemacht, die ihnen die Künstlerstadt Kalbe bieten würde. Die stellt nämlich kostenfrei Wohn- und Arbeitsräume für Kreative zur Verfügung. Für die kommenden Wochen sind allerdings alle Plätze ausgebucht. Denn am Sonnabend, 26. Juli, beginnt der Sommercampus 2014, zu dem insgesamt 60 Kunststudenten erwartet werden. Einige von ihnen kommen schon zu zweiten Mal nach Kalbe. Telma Veroade de Oliviera kann das gut nachvollziehen. Auch sie sagte am Sonnabend: "I love this place. The people are very friendly." Zu deutsch: "Ich liebe diesen Platz, die Menschen sind sehr freundlich."

URL: http://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/gardelegen/1313625_Eine-Rueckkehr-ist-nicht-ausgeschlossen.html © 2014 Volksstimme

Kalbe wird zum internationalen Künstlermekka

Eine kleine Stadt in der Altmark ist bei Kreativen aus aller Welt groß im Kommen. 55 Kunststudenten beziehen in diesem Sommer ein Atelier in Kalbe - und bringen so wieder Leben in verwaiste Wohnungen.

Corinna Köbele

Kalbe | Erst wenn die Glühbirne leuchtet, ist Suin Kwons Installation komplett. Nur lässt sich das spontan schlecht einrichten - dafür benötigt sie nämlich Strom aus dem Nachbarhaus. Nicht weiter schlimm. Ihr Konstrukt aus Holzlatten, Seilen und Metallrohren beeindruckt auch so. Die junge Südkoreanerin hat ihre Kunst in einem alten Haus aufgebaut, das früher ein Gerichtssitz war. Eine zeitlang hatte die Volkssolidarität noch einen Raum im Erdgeschoss, und oben gab es mal eine Fahrschule. Nun steht das Gebäude seit Jahren leer. An den Wänden hängen vergilbte Tapetenreste, auf die braunen PVC-Böden haben sich Marmorierungen aus Staub gelegt. Suin Kwon ist trotzdem stolz auf ihren Raum im Ex-Gericht. Denn für drei Wochen ist er ihr eigenes Reich. In Bremen, wo die 25-Jährige studiert, gibt es das nicht. "Dort muss ich mir ein Atelier mit anderen teilen", erzählt sie.

Vladislav Pastukhov aus Kasachstan, angehender Industriedesigner, entwirft und baut in Kalbe einen Sessel - noch ist er nicht fertig.

Vladislav Pastukhov aus Kasachstan, angehender Industriedesigner, entwirft und baut in Kalbe einen Sessel - noch ist er nicht fertig. Vladislav Pastukhov aus Kasachstan, angehender Industriedesigner, entwirft und baut in Kalbe einen Sessel - noch ist er nicht fertig. Insgesamt 55 Kunststudenten - von Malern, über Puppenspieler bis hin zu Literaten und Musikern - kommen in diesen Wochen nach und nach zum sogenannten Sommercampus in die Altmark. Der Verein Künstlerstadt Kalbe um Corinna Köbele - hauptberuflich Psychotherapeutin, ehrenamtlich Visionärin - lädt sie ein, in verlassenen Wohnungen zu arbeiten und zu wohnen. Zwölf Ateliers und sieben Wohnungen hat Köbele mit Eimer, Schwamm und ein paar Helfern hergerichtet. Sie gehören der Stadt und der Wohnungsbaugesellschaft.

Das Logo der Künstlerstadt Kalbe

Das Interesse der jungen Künstler ist riesig, berichtet sie. "Es hat sich ein Vielfaches der Stipendiaten beworben." Wie viele genau es waren, will die 51-Jährige nicht verraten. Das macht man nicht, findet sie. 2013 veranstaltete Köbele schon einmal einen Sommercampus, damals kamen 15 deutsche Studenten. Im Vorfeld hatte sie jede Kunsthochschule in Deutschland per E-Mail angeschrieben. Mittlerweile hat sich das Projekt herumgesprochen - auch unter ausländischen Künstlern. Sie machen diesmal rund ein Viertel der Teilnehmer aus. Der Großteil studiert in Deutschland, einige reisen aber tatsächlich aus dem Ausland an - etwa aus Polen und Österreich.

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Maria Evrydiki Poulopoulou kommt aus Griechenland und studiert in Berlin Malerei.

Die Chance auf ein eigenes Atelier auf Zeit ist wohl ein Hauptgrund für den Andrang auf die Altmark - allerdings nicht der einzige. Ein anderer mag im ersten Moment seltsam klingen: Die Künstler schätzen die Schwächen der Stadt. Denn für sie sind jene Schwächen schlichtweg Stärken. Suin Kwon zum Beispiel inspiriert das Flair verwaister Gebäude. "Man spürt, dass in diesem Raum früher Menschen gewirkt haben", erklärt sie, während ihr Blick die Wände mit den Tapetenschnipseln entlangwandert. "Außerdem erinnert mich der Geruch hier an meine Kindheit. Ich bin in einer Stadt aufgewachsen, die so klein war wie Kalbe. In unserer Nachbarschaft gab es ein verlassenes Haus wie dieses."

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Bevor Suin Kwon zum Studium nach Bremen gegangen ist, lebte sie in der südkoreanischen Millionenmetropole Seoul. Im Moment arbeitet sie in Kalbe an ihren Installationen. Fotos (3): Elisa Sowieja

Auch Maria Evrydiki Poulopoulou gefällt eine vermeintliche Schwäche der 2500-Einwohner-stadt: Hier steppt nicht gerade der Bär. "Ich kann arbeiten, ohne dass mich jemand ablenkt", erzählt die Malerei-Studentin. Im zweiten Stock eines Wohnhauses, in dem seit Jahren niemand mehr leben will, hat sie die Wände mit Collagen voller Linien beklebt - ganz in Ruhe. "Hier gibt es keinen Stress und keinen Lärm. Man kann sich richtig erholen." Ein durchaus nachvollziehbares Bedürfnis, wenn man sonst im Großstadtdschungel Berlin wohnt. Gesellschaft hat die 20-Jährige in Kalbe trotzdem - und zwar nicht nur in Gestalt der anderen Stipendiaten. Denn um jeden Sommercampus-Teilnehmer kümmert sich ein Pate aus der Stadt. Er zeigt ihm die Wohnung, hilft bei Problemen, lädt ihn auch mal zum Grillen ein oder stellt ihm einen Korb mit Zucchinis aus dem Garten vor die Tür. "Inzwischen haben sich schon 40 Kalbenser als Paten gemeldet, erzählt Köbele stolz. "Die Leute merken einfach, dass in ihrer Stadt etwas passiert - und dass sie mit dazu beitragen müssen, wenn das so bleiben soll." Die Vereinschefin ist davon überzeugt, dass auch das Patenschaftsmodell zu den Gründen gehört, warum so viele Studenten ihren Sommer in einer Stadt verbringen wollen, die für sie irgendwo im Nirgendwo liegt. Vladislav Pastukhov, Kasache und seit drei Jahren Student an der Burg Giebichenstein, bekam von einer Kalbenserin sogar eine große Ladung Holz gespendet. Daraus baut der angehende Industriedesigner während seiner Zeit in Kalbe einen Sessel. Es ist sein erstes eigenes Projekt. "Sonst mischen sich meine Professoren immer in die Planungen ein", erzählt er. "Hier kann ich endlich mal alles selbst bestimmen. Und ich habe keinen Termindruck." Noch lässt der 26-Jährige seine Ateliertür stets geschlossen. Er mag es nicht, wenn jemand sein unfertiges Werk sieht. Dass die Volksstimme ihn damit fotografieren darf, ist eine große - und sehr freundliche - Ausnahme. Doch sobald Vladislav fertig ist, wird er den Sessel bei Atelierrundgängen allen präsentieren. Zweimal pro Woche führt Köbele Besucher durch die Künstlerwerkstätten. Am vergangenen Sonntag kamen knapp 40 Leute - darunter viele, die sonst nicht viel mit Kunst am Hut haben. So hatte sich das die Visionärin auch gedacht. Denn ihr geht es nicht nur darum, die Stadt zu verschönern und Freizeitangebote zu schaffen. "Ich möchte auch, dass sich die Menschen mit den leeren Häusern identifizieren." Langfristig hofft sie sogar, dass sich für einige wieder Käufer finden. Ein Schnäppchen ist solch eine Immobilie allemal: Köbele zufolge gibt es das Stück schon für 2500 Euro. Drei Studenten aus Karlsruhe und München, die im vergangenen Jahr hier waren, würden sogar schon darüber nachdenken, erzählt sie. Suin Kwon kann das Trio gut verstehen: "Ein günstiges Atelier in einer kleinen Stadt - das ist doch eine schöne Sache."

URL: http://www.volksstimme.de/nachrichten/sachsen_anhalt/1321818_Kuenstlerstadt-Von-Korea-nach-Kalbe.html © 2014 Volksstimme

 

"Das hier ist junge Kunst zum Anfassen"

Rundgänge durch die Arbeitsräume der Sommercampus-Stipendiaten zogen Dutzende Besucher an

Von Conny Kaiser

Das öffentliche Interesse an den Arbeiten der Stipendiaten, die den Sommercampus der Künstlerstadt Kalbe nutzen, wird von Mal zu Mal größer. Die jüngsten Atelierrundgänge lockten wieder Dutzende Besucher an. Und ihnen wurde jede Menge geboten.

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Corinna Köbele (stehend) eröffnet im Garten des Atelierhauses den Rundgang durch die Künstlerstadt.

Kalbe l "Das hier ist junge Kunst zum Anfassen. Fragen Sie alle Fragen, die Sie haben. Sie werden Ihnen beantwortet", sagt Künstlerstadt-Initiatorin Corinna Köbele und schaut dabei in viele erwartungsvolle Gesichter. Denn das öffentliche Interesse an den Rundgängen durch die Atelierräume der Künstlerstadt ist groß. Groß ist in diesem Jahr allerdings auch die Anzahl der Sommercampus-Stipendiaten, sodass jedes Wochenende zwei Rundgänge stattfinden müssen, damit alle ihre Arbeiten öffentlich präsentieren können. Die rund 60 jungen Frauen und Männer, die sich nach und nach in Kalbe aufhalten werden, studieren unterschiedliche Fachrichtungen an diversen Kunsthochschulen. Und sie sind nicht nur deutscher Nationalität.

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Rundgang durch die Künstlerstadt: Publikum betrachtet Arbeiten von Karola PfandtRundgang durch die Künstlerstadt: Publikum betrachtet Arbeiten von Karola Pfandt

 

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Elizaveta Tusheva

So gehört zum Beispiel die russische Studentin Elizaveta Thusheva zu denen, die während der jüngsten Rundgänge ihre Arbeiten vorstellen dürfen. Weil sie aber nicht alle Werke mit nach Kalbe bringen konnte, nutzt sie einen Laptop, um sie dem Publikum zu präsentieren. Und das zollt für das, was es sieht, jede Menge Anerkennung. Es bekommt allerdings nicht nur etwas zu sehen, sondern auch zu hören. Zum Beispiel das Stück "Jahrstag auf Parkbank", das Stipendiat Jonas Bolle vor einiger Zeit zusammen mit Mitstreiter Simon Kubat erarbeitet und im Studio aufgenommen hat. Gemeinsam haben sie dafür den ARD-Hörspielpreis gewonnen. Das 15-Minuten-Werk wird während der Rundgänge ebenso vorgestellt wie das Geheimnis-Projekt von Joana Brunkow. Sie sammelt das, was ihr andere Menschen anonym anvertrauen und will damit demnächst eine Ausstellung in der Kunsthalle Leipzig bestücken.

Quelle: http://www.volksstimme.de/mobile_website/lokal_mobil/gardelegen_mobil/1321204_Das-hier-ist-junge-Kunst-zum-Anfassen.html

 

 

Spielerisch mit einem Zufall experimentiert

Auch am vergangenen Wochenende haben Stipendiaten des Sommercampus der Künstlerstadt Kalbe bei Rundgängen ihre Arbeiten präsentiert. Einige Studenten verabschiedeten sich damit, denn ihr Aufenthalt ging zu Ende.

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Elizaveta Tusheva (links), hier mit ihrer Künstlerstadt-Patin Christine Lüttge, bekam zum Abschied ein Sommercampus-Shirt. | Foto: Donald Lyko

Kalbe l Die Scheibe ist zwischen Tisch und Scheibe auf den Boden gerutscht und in zahllose Einzelteile zersprungen. Schlimm für die einen, eine kreative Herausforderung für Larissa Mühlrath, im vierten Jahr Malerei-Studentin in München. Sie wollte in Kalbe schauen, "was ich hier finde und wollte damit umgehen", erzählte die Stipendiatin während ihrer Vorstellung, die am Sonnabend in gemütlicher Runde unter einem Nussbaum stattfand. Gefunden hatte sie die Scheibe nicht kaputt, das war ihr erst in der vergangenen Woche passiert. Über die auf dem Boden liegenden Scherben sprühte sie mit schwarzer Farbe eine Fläche - die Form hat sich an den außen liegenden Scherben orientiert -, sammelte die Scherben dann ein und schuf so ein Muster auf dem Boden. Die Stücke der Scheibe, jetzt schwarz, legte sie auf den Tisch, teilweise wie ein Puzzle zusammen. Zur Installation gehören auch der Tisch und der Stuhl, zwischen die die Scheibe gerutscht war. Für die Künstlerin gehören sie einfach zur Situation, aus der das Werk entstanden ist.

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Larissa Mühlrath (Mitte) hat aus den Scherben einer zersprungenen Scheibe ein Kunstwerk geschaffen. | Foto: Donald Lyko

Das Beispiel zeige "sehr schön, wozu unsere Künstler fähig sind. Sie entwickeln ein Zufallsprodukt weiter", sagte Corinna Köbele während des Rundganges. Das Beispiel zeige aber auch, welche Möglichkeiten die Künstlerstadt Kalbe ihren Stipendiaten bietet, um "spielerisch mit Zufällen experimentieren zu können". "Wo dürfen sie denn sonst auf die Schnelle mal den Boden besprühen", sagte sie. Am Sonnabend zeigte auch Elizaveta Tusheva ihre Bilder. Die Moskauerin, die derzeit in Berlin-Weißensee studiert, saß an der Milde und an verschiedenen Stellen in der Stadt, um das Gesehene in Öl zu malen. Sie male am liebsten "das Durcheinander" von Häusern, Dächern, Zäunen und allem, was zum Stadtbild gehört. Und sie malt dies besonders gern in der Morgen- und in der Abendstimmung. Leider habe ihr das Wetter in ihrer Kalbenser Zeit das nicht immer möglich gemacht. Für Elizaveta Tusheva hieß es am Sonnabend, sich von den Gastgebern in der Altmark zu verabschieden, denn gestern reiste sie zurück nach Berlin. Mit einem Geschenk im Gepäck, das Corinna Köbele ihr am Sonnabend, begleitet vom Beifall der Gäste, übergab: das neue T-Shirt für die Teilnehmer am Sommercampus 2014 in Kalbe. Die Russin bekam das erste neue Shirt. Zum Abschied werden es auch alle anderen jungen Künstler bekommen. Einige von ihnen konnten die Teilnehmer an den Atelierrundgängen am Wochenende schon kennenlernen. Eine nächste Gelegenheit gibt es am Mittwoch, 13. August, ab 19 Uhr im Eiscafé Piccolo. Dort gibt es ein kleines Programm mit dem Titel "Kalbenser Augenblicke", gestaltet von einem Pianisten und einem Literaten, beide Sommercampus-Stipendiaten.

URL: http://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/gardelegen/1323606_Spielerisch-mit-einem-Zufall-experimentiert.html © 2014 Volksstimme

 

 

Mit vielen Eindrücken zurück nach Moskau

Das Leben in der Künstlerstadt Kalbe zeigt sich in unterschiedlichsten Facetten. Am Mittwoch beispielsweise war eine junge Russin dabei zu beobachten, wie sie an der Milde ein Bild malte. Und gern ließ sich Elizaveta Tusheva dabei über die Schulter schauen.

Von Conny Kaiser

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Elizaveta Tusheva brachte am Mittwoch die Rückansicht der Kalbenser Altstadt auf eine Leinwand. | Foto: Conny Kaiser

Kalbe l Eine junge Frau, das Gesicht unter einem Strohhut vor zu viel Sonne geschützt, steht nahe der katholischen Kirche an der Milde. Vor ihr eine Staffelei, auf der nach und nach ein Ölbild entsteht. Es zeigt die Rückansicht der Kalbenser Altstadthäuser, wie Elizaveta Tu- sheva sie sieht. Diese versetzten Linien und die Farben, die sich im Spiel zwischen Licht und Schatten so schnell verändern, sie sind das, was die junge Frau bei ihrer Arbeit inspiriert. Dass die 25-Jährige zu den diesjährigen Sommercampus-Stipendiaten gehört, ist schon am Fahrrad zu erkennen, das da neben der Staffelei steht. Denn es ist im kunterbunten Farbmix der Künstlerstadt lackiert. Neugierig bleiben einige Passanten stehen und schauen auf das Kunstwerk, das Elizaveta Tusheva da entstehen lässt. Doch sie selbst scheint kaum etwas davon mitzubekommen. Denn während sie so malt, erklingt Musik aus kleinen Kopfhörern, die an ihr Smartphone angeschlossen sind. Das wiederum trägt die junge Frau in der Hosentasche. In diesem Jahr gehörte sie zu den ersten, die zum Sommercampus angereist sind. Und wenn sie die Künstlerstadt Kalbe in der kommenden Woche wieder in Richtung Berlin verlässt - dort ist sie noch bis September als Austauschstudentin an der Kunsthochschule Weißensee eingetragen -, dann mit sehr vielen positiven Eindrücken. Und die wird sie auch bald mit ins ferne Moskau nehmen. Denn dort ist die junge Künstlerin, die gerade ein sechsjähriges Studium in der Fachrichtung Buchillustration abgeschlossen hat, eigentlich zu Hause. In Weißensee lebt und arbeitet sie hingegen seit Oktober 2013. Als sie dort von der Ausschreibung zum Kalbenser Sommercampus erfuhr, da sei sie sich, sagt sie, sofort sicher gewesen: "Da will ich hin." Und Künstlerstadt-Initiatorin Corinna Köbele zeigte sich dann auch beeindruckt von der Bewerbung - und lud Elizaveta Tusheva ein. Auf die Frage, was ihr in Kalbe besonders gefallen habe, gibt diese lächelnd die spontane Antwort: "Die vielen Störche." Aber auch "die sehr gute Organisation" des Sommercampus und die liebevolle Art vieler Menschen, denen sie vor Ort begegnet sei, hätten sie beeindruckt, sagt die junge Frau. Insgesamt fünf Bilder hat sie während ihres Aufenthaltes in der Künstlerstadt gemalt. Und es gibt für das eine oder andere sogar schon Kaufinteressenten.

URL: http://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/gardelegen/1322334_Mit-vielen-Eindruecken-zurueck-nach-Moskau.html © 2014 Volksstimme

 

 

Kunst und Künstler in Kalbe

Der zweite Sommercampus der Künstlerstadt Kalbe ist eröffnet. Seit Sonnabend haben die zur Verfügung gestellten Zimmer wieder Bewohner. Die Ateliers sind ausgesucht und zugeteilt. Die Kunststudenten freuen sich voller Erwartung auf ihre Zeit in Kalbe.

Acht der angemeldeten zehn Kunststudenten stießen am Sonnabendabend auf eine inspirierende und schöne Zeit beim Sommercampus in der Künstlerstadt Kalbe an. | Foto: Anke Kohl

Kalbe l Von Buchkunst und Fotografie über Malerei und Klangkunst bis zu Performance, Installation und Medienkunst reichen die Genres, denen sich die zehn Kunststudenten während ihrer Pause zwischen den Semestern in der Künstlerstadt Kalbe widmen werden. Am Sonnabend haben sie sich gemeinsam mit den Organisatoren der Künstlerstadt ihre Ateliers und je eines der Künstlerstadt-Fahrräder ausgesucht und ihr Zuhause auf Zeit an der Milde bezogen. "Es war ein einziges Chaos", sagt Corinna Köbele lachend. "Aber nun ist alles gut", meint sie gegen 19.30 Uhr, als die offizielle Eröffnung des Sommercampus im verwilderten Hinterhof von Hausnummer 35 an der Gerichtsstraße erfolgt.

 

Corinna Köbele (rechts) eröffnete in einem verwilderten Hinterhof an der Gerichtsstraße den Sommercampus der Künstlerstadt 2014.| Foto: Anke Kohl

Der Sommercampus ist in seinem zweiten Jahr bereits international geworden, berichtet Köbele. Die Nationalitäten der Studenten: Italien, Russland, Polen, Griechenland, Deutschland, Österreich und Bulgarien. "Und hätten die Tänzer idealere Bedingungen vorgefunden, dann wären auch noch Frankreich und Dänemark vertreten gewesen", erklärt die Initiatorin. Da jedoch kein durchgehend nutzbarer Probenraum mit entsprechendem Boden zur Verfügung gestanden habe, hätte das tanzende Studentenpaar leider absagen müssen.

  

 Gerhard Rimpl und Sigrid Fricke haben nun erstmal Pause. | Foto: Anke Kohl

Sieben Wohnungen haben die Aktiven in den vergangenen Monaten "flott gemacht". "Küchenmobiliar, Betten, Matratzen, Tische, Teller, Tassen, Lampen - eben alles, was so grundsätzlich in eine Wohnung gehört, haben wir eingeräumt und geputzt", erzählt Maria Rimpl. Zu ihren unermüdlichen Mitstreitern, denen Corinna Köbele namentlich ganz besonders dankte, gehören Gerhard Rimpl, Sigrid Fricke, Jutta Gartz, Marika Winter sowie Petra, Susette und Burkhardt Kramp. "Jetzt sind die Studenten dran", sagt Maria Rimpl augenzwinkernd. "Unsere Kunst hat darin bestanden, aus den vielen, vielen Spenden etwas Schönes für die jungen Künstler zu schaffen", sagt sie, und alle lachen herzlich über diesen passenden Vergleich. In den kommenden Wochen freut sich Corinna Köbele auf "50 verrückte, tolle Tage mit und durch die Kunststudenten", wie sie sagt. Immer sonnabends und sonntags werde es, jeweils um 15 Uhr, einen Rundgang durch ein oder zwei Ateliers der Künstlerstadt geben. "Sonst kommen wir ja nicht rum. Aber die jungen Leute haben so viel zu zeigen", so Köbele. Treffpunkt ist jeweils das Haus an der Thälmannstraße 21/23. Für kommenden Freitag, 1. August, ist eine Video-Performance an der Hauswand der Gerichtsstraße 35 geplant. Bei Einbruch der Dunkelheit wird Filmkünstlerin Cylixe dieses besondere "Hauskino" präsentieren.

http://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/gardelegen/1316515_Kunst-und-Kuenstler-in-Kalbe.html

 

 

Katrin Parotat verziert die vordere Gebäudefront des Kalbenser Freibades mit einem großflächigen Wandbild

Erst waren es nur ein paar blaue Blätter. Doch nun ist bereits ein großflächiges Wandbild zu erkennen. Katrin Parotat verziert den Eingang des Kalbenser Freibades mit ihrer Malerei. Dazu ist sie jetzt zum wiederholten Mal in die Künstlerstadt gekommen.

Von Conny Kaiser

Von Conny Kaiser Kalbe * Gestern gab es für sie und ihre ständige Begleiterin, Hündin Püppi, mal eine kleine Auszeit. Denn da nahm Katrin Parotat an der von Henning Krüger geführten Radtour zur Wiepker Mühle teil. Ansonsten jedoch ist die 23-Jährige meist damit beschäftigt, den Eingang des Kalbenser Freibades zu verzieren.Der mutet bereits an wie eine Unterwasserlandschaft. Denn Katrin Parotat malt auf den weiß getünchten Grund riesige Blüten und Blätter in blauer Farbe. Es handelt sich um genau dasselbe Blau, mit dem auch die Becken des Freibades gestrichen sind. Schließlich soll alles zusammenpassen.
Katrin Parotat ist übrigens nicht das erste Mal in Kalbe, um an diesem großflächigen Wandbild zu arbeiten. Bereits im vergangenen Jahr hatte sie damit begonn. Da nämlich gehörte die junge Frau, die an der Hallenser Kunsthochschule Burg Giebichenstein Malerei und textile Künste studiert, zu den ersten Sommercampus-Stipendiaten.Die Zeit,die sie damals in Kalbe verbrachte, reichte jedoch nicht annähernd aus, um das begonnene Bild fertigzustellen. Als sie im Herbst 2013 wiederkam, war es hingegen zu kalt, um daran weiterzuarbeiten.

Der vormals weiße Giebel des Kassenhäuschens ist nicht mehr wiederzuerkennen. Katrin Parotat hat ihn in der Farbe der Schwimmbecken mit Blüten und Blättern verziert. Doch vor ihr liegt noch viel Arbeit. Foto: Conny Kaiser

"Ich hoffe, dass es mir diesmal gelingt, es fertigzustellen", sagt die aus Konstanz stammende Künstlerin. Am vergangenen Donnerstag ist sie via Bahn und Fahrrad angereist. Letzteres verfügt über einen speziellen Lenkerkorb. Denn darin will Hündin Püppi chauffiert werden. Sie war bereits im vergangenen Jahr ständig an der Seite von Katrin Parotat -und ist auch von den anderen Sommercampus Stipendiaten längst ins Herz geschlossen worden. Allerdings vergisst ihr Frauchen nicht, warum sie nach Kalbe gekommen ist. Nämlich, um dort zu arbeiten. Schon im Vorfeld hatte sich die 23-Jährige Skizzen angefertigt und überlegt, wie das Wandbild am Ende aussehen könnte. Auch Pflanzen hatte sie dafür gesammelt und dann abstrahiert. Die Blüten und Blätter, die Katrin Parotat nun am Eingangsbereich des Freibades hinterlasse sind zuvor alle mit dem Kohlestift vorgemalt worden. Und vor ihr liegt noch eine meterlange Wand, die ebenfalls gestaltet werden will. Doch in Kalbe findet die junge Frau die nötige Ruhe, die sie für ihre Arbeit benötigt. Und auch wenn sie innerhalb ihres jetzigen Aufenthaltes mit der Arbeit fertig werden sollte, ist sie ganz sicher nicht zum letzten Mal in der Künstlerstadt gewesen. "Kalbe ist ein freier Ort, in dem man spielerisch arbeiten und experimentieren kann", sagt Katrin Parotat. Als ihre Patin fungiert die pensionierte Kalbenser Kunsterzieherin Karola Limberg. Und nicht nur die findet es richtig klasse, was die Studentin da gerade für Kalbe macht - unentgeltlich, versteht sich. Die Stadt hat lediglich die Farbe bereitgestellt.

©Volksstimme 2014

 

Besonderer Stuhl für die "Galerie der 100 Brücken"

Kalbe (cn) | Laien Kunst begreiflich zu machen, ist nicht immer ganz einfach. Corinna Köbele wird dennoch niemals müde.

Diese Objekte und Grafiken stammen von Anna Nero. Sie bat das Publikum, sie als "gesamtvisuelles System" zu betrachten. Fotos: C. Kaiser

Und so erläuterte die Künstlerstadt-Initiatorin dem interessierten Betrachter am Freitagabend zum Beispiel, was es mit den Installationen und den abstrakten Bildern von Olga Monina auf sich hat. Sie, die in den zurückliegenden Wochen als Sommercampus-Stipendiatin in den Räumlichkeiten der Milde-Beton GmbH künstlerisch tätig war, verabschiedete sich dort mit einer Werkschau.

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Vladislav Pastukhow (links) präsentiert seinen selbstentworfenen und-gebauten Stuhl, den nicht nur Gerhard Rimpl beeindruckend fand

Genau wie ihre Kommilitonin Anna Nero. Beide Frauen studieren in Leipzig Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst und haben den Sommercampus in Kalbe genutzt, um Ruhe für sich und ihre Kreativität zu finden. Im Gegensatz zu Olga Monina nutzte Anna Nero dafür das Atelierhaus an der Thälmannstraße. Dort bat sie das Publikum am Freitagabend, Objekte und Grafiken "als gesamtvisuelles System zu betrachten" und auf sich wirken zu lassen. Wirkung erzielte aber auch die Arbeit von Vladislav Pastukhov. Der 25-Jährige studiert Industriedesign in Halle und hat in Kalbe eine ganz besondere Sitzgelegenheit gebaut. Auch sie wurde am Freitagabend während des Atelierrundganges vorgestellt. Und nicht nur Corinna Köbele nahm freudestrahlend zur Kenntnis, dass der junge Mann sein Werk der Künstlerstadt überlässt. Vielleicht, so sagte er, könnte dieses Unikat von einem Stuhl in der "Galerie der 100 Brücken" einen Platz finden. Corinna Köbele bejahte begeistert.

Volksstimme, Montag, 18.August 2014, Gardelegener Kreisanzeiger S.9

 

"Beim Bergfest angekommen"

Fünfter und sechster Rundgang durch die Ateliers

Von Conny Kaiser

Kalbe (cn) | "Wir sind beim Bergtest angekommen", sagte Künstlerstadt-Initiatorin Corinna Köbele, als sie am Sonntag den sechsten Atelierrundgang des diesjährigen Sommercampus' eröffnete. Am Vortag hatte es Ausgabe Nummer fünf gegeben. Seit dem 26. Juli und noch bis zum 13. September leben und arbeiten zeitversetzt rund 60 Kunststudenten unterschiedlicher Fach-
richtungen in Kalbe. Und bei den Atelierrundgängen, die immer an den Wochenenden stattfinden, stellen sie einem interessierten Publikum ihre Werke vor. Das war auch am Sonntagnachmittag wieder recht zahlreich erschienen, um sich unter anderem noch einmal die Hymne auf Kalbe, verfasst vom Literatur- und Philosophiestudenten Robert Reimer - es handelt sich hierbei übrigens nicht um einen Künstlernamen, anzuhören. Weiter ging es in die Arbeitsräume von Karola Pfandt, einer "Wiederkommerin", wie Corinna Köbele betonte. Denn die junge Frau, die in Karlsruhe freie Malerei studiert, hatte bereits 2013 am Sommercampus teilgenommen. In Kalbe findet sie die nötige Ruhe, um kreativ zu sein. Und ihre Bilder hinterlassen bei jedem Betrachter nachhaltig Eindruck.Larissa Mühlrath indes, die an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert, bringt in ihren Installationen Fundstücke, darunter auch Steine, in einen Zusammenhang. Die junge Frau hat auch den Dachboden jenes Hauses, in dem die Sommercampus-Stipendiaten wohnen, als Atelier für sich entdeckt. Mara Ittel wiederum, die Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe studiert, benötigt für ihre Arbeit keinen speziellen Raum. Sie dreht eine Dokumentation über Kalbe und die dort lebenden Menschen und führt dazu am Haus Thälmannstraße 21 bis 23. Die nächste Kulturveranstaltung im Zuge des Sommercampus gibt es allerdings schon am Freitag, 22. August (siehe Info-Kasten).

Theateraufführung am kommenden Freitag

Ein Theaterstück, das sich mit dem Thema "Psychische Krankheiten und ihre Behandlung" auseinandersetzt, wird an diesem Freitag, 22. August, im ehemaligen Berufsbera-tungszentrum an der Kalbenser Gerichtsstraße aufgeführt. Teile des Gebäudes können seit kurzem von den Stipendiaten des Sommercampus' der Künstler-

Stadt mit genutzt werden. Und eine von ihnen ist Antonia Lebsa aus Dresden, die in Erfurt Kunst und Erziehungs-wissenschaften studiert. Sie bereitet sich derzeit intensiv auf das von ihr verfasste und zu spielende Ein-Personen-Stück vor. Beginn der rund einstündigen Aufführung ist um 18 Uhr.
Alle Interessierten sind willkommen.

 

© Voklsstimme , 19.8.2014, Gardelegener Kreisanzeiger S.17

 

Zwischen Kalbe und Utopia

Sommercampus bot ungewöhnliche Lesung mit noch ungewöhnlicherer Musik

"Kalbe,Nelken und Visionen": Was sich hinter diesem Titel verbarg, das erfuhren am Mittwochabend die Besucher des Kalbenser Eiscafes "Piccolo" Denn dort gestalteten Stipendiaten des Künstlerstadt-Sommercampus eine musikalisch umrahmte Lesung.

Von Conny Kaiser

Kalbe | Sie ist nicht jedermanns Sache: improvisierte Jazzmusik. Wahrend die einen mit geschlossenen Augen lauschen oder angetan mitwippen, können andere nicht wirklich etwas damit anfangen. Das lässt sich am Mittwochabend in einigen verzogenen Gesichtern ablesen. Und Gesichter gibt es viele im Eiscafe "Piccolo". Denn der Einladung des Künstlerstadt-Vereins zu einer Lesung mit Musik ist recht zahlreich Folge geleistet worden. Der Titel "Kalbe, Nelken und Visionen" klingt ja auch durchaus spannend.
Notizen über eine altmärkische Kleinstadt
Warum sich der Ortsname darin wiederfindet, wird spätestens klar, als Nadja Wieser nach vorn tritt Die junge Frau, die in Leipzig Literatur studiert, hat sich "Notizen über Kalbe" gemacht. Die klingen hier und da ironisch, aber stets liebevoll. Zum Beispiel dann, wenn sie feststellt, dass sich die Kalbenser in Zeiten des Smartphones nicht mehr darüber aufregen, dass ihnen einst ihr weltgrößter Längswellensender Goliath abhanden gekommen ist oder dann, wenn sie staunend anmerkt, dass es in Kalbe offenbar funktioniert, dass ein Bordell direkt zwischen Jugendklub und Kirche existiert.

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Bettina Wilpert befasste sich in ihrem Text mit der Nelkenrevolution in Portugal im Jahr 1974

Literaturstudentin Nadja Wieser hatte sich „Notizen über Kalbe“ gemacht.
Fotos: Conny Kaiser

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Nadja Wieser hat offenbar Gefallen an ihrem Zuhause auf Zeit Schließlich lebt und arbeitet sie, genau wie rund 60 weitere Stipendiaten, für einige Wochen in der Künstlerstadt. Einem ganz anderen Thema widmet sich Bettina Wilpert, die ebenfalls am Leipziger Literaturinstitut studiert und nun am Kalbenser Sommercampus teilnimmt. Bei ihr kommt das Thema "Nelken" ins Spiel .Genauer gesagt, die Nelkenrevolution, die es am 25. April 1974 in Portugal gegeben hat und bei der den aufständischen Soldaten vom begeisterten Volk rote Nelken in die Gewehrläufe gesteckt wurden. Die friedliche Revolution begann, indem im Rundfunk das unter der Militärdiktatur verbotene Lied "Grandola, Vila Morena" gespielt wurde. Und dieses Lied lässt Bettina Wilpert während ihres Vortrages erklingen. Dazu laufen Sequenzen jenes Dokumentarfilms, den Thomas Harlan im Zuge der Nelkenrevolution gedreht hat und der den Titel "Tone Bela" trägt. Darin geht es um die Gründung ' einer bäuerlichen Kooperative in einem besetzten Schloss irgendwo in Portugal, die am Ende doch scheitert und den Auszug aus Utopia verlangt.
Instrumentales Spiel folgt nur "groben Fahrplänen"

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Mark Weschenfelder (vorn links) und Jonathan Strauch, Pianist Marius Moritz und Drummer Steffen Roth.

Utopisch, weil schwer zu begreifen, mutet für einige auch das an, was ihnen da musikalisch von Steffen Roth (Schlagzeug), Marius Moritz (Klavier), Mark Weschenfelder und Jonathan Strauch (beide Saxofon) geboten wird. Ihr Spiel ergibt keine Melodie. Denn es handelt sich um frei improvisierte Musik, die "dem Augenblick überlassen" wird, wie die vier Instrumentalisten klarmachen. Ihr Spiel basiert nicht auf Kompositionen, sondern folgt nur "groben Fahrplanen". Die Bitte um eine Zugabe bleibt am Ende dann auch aus. Die Band ohne Namen, die sich 2013 an der Hochschule für Musik in Dresden zusammengefunden hat, lässt sich davon aber nicht beirren. Sie hat die im Veranstaltungstitel festgehaltenen "Visionen" und will weitermachen. Auch in der Künstlerstadt Kalbe. Denn dort sind die vier Musiker gerade erst am Montag angekommen.

©Volksstimme, Gardelegener Kreisanzeiger 29.8.2014, S. 17

 

"In vollen Zügen" in unheimlichen Räumen

Erstes Theaterprojekt beim Sommercampus der Künstlerstadt Kalbe / Thema: Depression und Medizin

Von Maik Bock und Anke Kohl

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Traurig und tief deprimiert saß Marie alias Antonia Lebsa in ihrer Wohnung. | Foto: Maik Bock

Das erste Theaterstück im Rahmen des Sommercampus 2014 der Künstlerstadt wurde am Freitagabend in Kalbe aufgeführt. Antonia Lebsa, Studentin der Kunst- und Erziehungswissenschaften, war die Autorin wie auch einzige Darstellerin des Eine-Frau-Stückes. Kalbe l Sie hatte schon etwas Beklemmendes, diese Stille, die am Freitag beim ersten Theaterabend der Künstlerstadt Kalbe herrschte und den Zuschauern förmlich unter die Haut kroch. Im Haus der ehemaligen Berufsberatung/Handwerkskammer an der Gerichtsstraße verfolgten etwas über 30 Kunstinteressierte das Eine- Frau-Theaterstück "In vollen Zügen", das Künstlerstadt-Stipendiatin Antonia Lebsa geschrieben hat. Ihr Thema: psychologische Krankheitsbilder und ihre Behandlung mit Medikamenten.

Kunststudentin erschafft drei imaginäre Räume

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Alle bereitgestellten Plätze waren zur Uraufführung von "In vollen Zügen" besetzt. Mehr als 30 Zuschauer wollten das Stück von und mit Kunststudentin Antonia Lebsa sehen. | Foto: Maik Bock

"OUTPUT" stand in großen schwarzen Buchstaben auf der linken Wand des Zimmers, "INPUT" auf der rechten. Drei imaginäre Räume lagen dazwischen, so dass die Zuschauer den Blick auf ein altes Schlafsofa, das das Zuhause repräsentierte, den Zwischenraum, der die Öffentlichkeit darstellte und einen Schreibtisch als Arztpraxis hatten. In diesen Räumen agierte Marie, so hat Antonia Lebsa, Studentin für Kunst- und Erziehungswissenschaften, ihre Figur genannt. Und Marie hat ein Problem. Das Problem sind ihr Ex-Freund und ihre Eltern, die sie zum Psychologen schicken, weil sie denken, Marie komme mit ihrem eigenen Leben nicht klar und brauche deshalb Hilfe.

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Sascha Schestow nahm das Stück als Video auf. | Foto: Maik Bock

Sommercampus-Stipendiatin Antonia Lebsa, hat das Ein-Personen-Stück mit dem Titel "In vollen Zügen" nicht nur erdacht und umgesetztsondern führte es auch auf. Unterstützt wurde sie bei der Uraufführung von anderen Stipendiaten.Schon nach wenigen Minuten war zu spüren, weshalb das Stück Zuschauern ab 18 Jahren vorbehalten war. Denn Marie schüttet vor ihren Zuhörern ihr Herz aus und lässt ihr Leben Revue passieren. Sie berichtet deprimiert von einem ständigen Auf und Ab im Leben eines jungen Mädchens.

Depression und Gedanken an Suizid

Sie erzählt von Begebenheiten, wie sie direkt aus dem Leben gegriffen scheinen. Da ist zum Beispiel der Besuch beim Arzt, der ein Medikament verschreibt und dadurch die Spirale nach unten, in die Depression, erst richtig in Fahrt bringt. Marie beginnt an sich zu zweifeln. Braucht sie wirklich psychologische Hilfe? Ein Schwanken zwischen Traurigkeit und Fröhlichkeit setzt ein. Es geht sogar so weit, dass sie sich Gedanken über den Tod macht und darüber, sich das Leben zu nehmen. Diagnose: psychologisch instabil. Zwischen Krankheit, Trauer und der Hoffnung auf Heilung denkt sie nur noch über Leben und Sterben nach. Bis sie am Ende fast selbst glaubt, dass sie psychisch krank ist. Aufregend schön sind da wieder die Momente in denen die Lebensfreude des Mädchens durchbricht, und Marie tanzen gehen und Party machen möchte. Doch da ist schon der nächste Rückschlag, der nach dem Kuss des Freundes und ihrem Wunsch gleich mit mehreren Männer die Nächte zu verbringen, kommt. Und die Traurigkeit kehrt zurück. Mit einer Zigarette als letztem menschlichen Genuss springt Marie, um ihrem Leben ein Ende zu setzen, aus dem Fenster - am Freitagabend glücklicherweise aus dem Erdgeschoss an der Gerichtsstraße. Im Stück stirbt sie nicht. Was folgt sind Krankenhausaufenthalt und Beruhigungsmedikamente. Wieder zu Hause, kehrt nach zwei Monaten das Leben in Maries Körper zurück. Jetzt will sie ihr Leben in die Hand nehmen und etwas daraus machen. Ruhe, ja beängstigende Stille lag nach dem Stück im Raum. Fast zaghaft setzte der Applaus für die 23-jährige Darstellerin ein. Zu ihrem Stück folgten dann einige Fragen aus dem Publikum. Die junge Dresdnerin nahm sich gern Zeit, diese zu beantworten und mit ihren Gästen zu sprechen.

© Volksstimme 2014 Dokument erstellt am 2014-08-25 02:31:14 Letzte Änderung am 2014-08-25 02:31:14 http://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/gardelegen/1330427_In-vollen-Zuegen-inunheimlichen- Raeumen.html

 

Im Lichterschein - Geister oder Elfen?

Studentinnen der Musikhochschule Trossingen machten Kalbenser Kurpark zu ihrer Bühne

In Gläsern flackernde Kerzen wiesen am Freitagabend den Weg durch den Kalbenser Kurpark. Dort stellten drei Kunststudentinnen ihr Projekt vor, in dem sie ihre Sicht auf Frauenfiguren in Märchen inszenierten.

Von Anke Kohl

Kalbe | " Wo geht es denn hier zur Kunst?" fragten sich am Freitagabend einige Besuche: am Eingangsbereich zum Kurpark in Kalbe. Die prompte Antwort kam von den Kindern, die ebenfalls auf dem Weg zur Inszenierung waren. Da stehen die Kerzen", riefen sie und liefen voraus. Den ganzen Weg säumten kleine und große Gläser mit brennenden Kerzen, die beim langsam schwindenden Tageslicht eine bemerkenswerte Atmosphäre schufen. Drei Orte entlang des Weges hatten Benina Berger, Christine Kristmann und Kathan na Kramer, Studentinnen der Musikhochschule Trossingen, im Park vorbereitet, um dort aufzutreten. Wobei die Formulierung .vorbereitet' nicht ganz tretend ist, denn alle drei Stipendiatinnen der Künstler Stadt nutzten die natürliche Umgebung des Parkes und ein bisschen schlichtes Zubehör für ihre Darstellungen.

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Als wäre sie Teil des Baumstammes, auf dem sie ihre Performance darbot, war Katharina Kramer geschminkt. Sie tanzte und spielte Querflöte

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Christine Kristmann tanzte stumm und verschleiert, bevor sie sich zu erkennen gab und ein dramatisches Liebesgedicht rezitierte.

Stumm, verschleiert und zwischen Schleiern, die unter Bäumen gespannt waren, tanzte Christine Kristmann abseits des Weges mit langsam fließenden Bewegungen. Erst als der Stoß sie zu eisticken droht, befreit sie sich und rezitiert das dramatische Liebesgedicht "Überall ist Liebe" von Karoline von Günderrode. Auf einem vom Blitzeinschlag gefällten und waagerecht über dem Boden zu schweben scheinenden Baumstamm bewegte sich Katharina Kramer, teils zuckend und teils tänzerisch anmutig, wie in Zeitlupe. Bis sie, einem Baumgeist gleich geschminkt, zur Querflöte griff und darauf eine Melodie spielte, bevor sie sich geheimnisvoll zurückzog und der Geist somit entschwand. Der Welt anscheinend entrückt tanzte Benina Berger an einem kleinen Teich entlang, auf deren Wasseroberfläche sich ihre Vorstellung zum Teil spiegelte. Zuvor war sie ganz und gar in rotes Tuch gehüllt, entschlüpfte diesem, um im bodenlangen blauen Kleid aufzutauchen, das sie sich wiederum über den Kopf zog. .Das hat für mich hier alles etwas vom Sommernachtstraum", sagte Elisabeth Ozminski und die beiden Enkelkinder von Angela Ufer, Jerrit und Merle, schauten gespannt auf jede Bewegung der Künstlerinnen.

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Bettina Wilpert las im Wechsel mit Nadja Wieser unter der gr0ßen Trauerweide das Märchen "Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein".

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Wie in einem Zelt saßen die Zuhörer unter den Zweigen der Trauerweide und hörten andächtig zu.
Fotos: Anke Kohl

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Benina Berger tanzte an einem kleinen Teich. Ihre Bewegungen spiegelten sich zum Teil auf der Wasseroberfläche wider.

©Volksstimme, Gardelegener Kreisanzeiger 2014 

 

 

Picknick für die Pedalritter

Radtour des Künstlerstadtvereins entlang der Mildeniederung

Kalbe * Gleich zweimal waren die Teilnehmer der Radtour des Künstlerstadtvereins vor zwei Wochen ordentlich vom Regen "durchnässt gewesen. Für den Ausflug am Dienstag stand das jedoch nicht zu befürchten, wie Tourleiter Henning Krüger zuversichtlich vorausblickte. Gestern lud er die Stipendiaten der Künstlerstadt und alle interessierten Radfreunde zu einer Tour entlang der Milde nach Wiepke ein. Zur Wassermühle des Ortes und zu Hobbymüller Friedrich-Wilhelm Gille führte sie der Weg.

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15 Kalbenser und Stipendiaten gingen gestern per Fahrrad auf Entdeckertour entlang der Milde. Fotos: Maik Bock

Kurz nach 14 Uhr starteten die Fahrradfreunde zusammen mit den Studenten auf eine der wohl schönsten Radrundfahrten durch die Altmark. "Wir werden Auenlandschaften, aber auch Berge sehen, und der eine oder andere wird wohl auch sein Rad den einen oder anderen Berg hinaufschieben", mutmaßte Henning Krüger augenzwinkernd, als er seine Gäste herzlich begrüßte. Von Kalbe aus ging es an der Milde entlang bis Schenkenhorst und über Klein Engersen nach Wiepke. Dort wurden die Ausflügler schon von Uta Krüger erwartet, die mit Hilfe der Mitglieder des Künstlerstadtvereins ein Picknick in der Reichwaldschen Wassermühle vorbereitet hatte.

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Gerhard Rimpl (links) stellte schnell noch den Sattel ein, und dann ging die Tour los.

Nach einer guten Stunde Pause, zu der die Besichtigung der Mühle mit einer Führung von Friedrich-Wilhelm Gille gehörte, machten sich die Radwanderer auch schon wieder auf den Heimweg. Dieser führte über den alten Bahndamm nach Zichtau, über die Nachtweide und den Bauernberg in Richtung Neu Wernstedt. Gut 27 Kilometer bei herrlichem Sonnenschein hatten die Radler zurückgelegt. Allen hatte es großen Spaß gemacht, nicht nur, weil es viel zu sehen, sondern auch Interessantes aus der Geschichte der Region zu erfahren gab.

©Volksstimme, Gardelegener Kreisanzeiger, 3. September 2014, S.20

 

Kunst im Krankenhausflur

Auf Initiative des Vereins zur Förderung des Altmark-Klinikums Haus Gardelegen zeigen derzeit einige Stipendiaten vom Sommercampus der Künstlerstadt Kalbe ausgewählte Arbeiten im Krankenhaus. Am Sonnabend wurde die Ausstellung eröffnet.

Von Donald Lyko

Gardelegen l Als der Förderverein des Gardeleger Krankenhauses mit der Idee einer Ausstellung an Künstlerstadt-Initiatorin Corinna Köbele her-antrat, musste sie nicht lange überlegen. "Ich finde es schön, Kunst im Krankenhaus zu haben", sagte sie. Denn manchmal sei für die Patienten im Krankenhausalltag nicht viel los, "dann tigert man durch die Gänge". Und dann sei es schön, vor den Bildern und plastischen Arbeiten verweilen zu können. "Und wenn die Kunst das Herz erfreut, dann kann man vielleicht schneller genesen", sagte die Kalbenserin.

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Seit Sonnabend stellen Sommercampus-Stipendiaten der Künstlerstadt Kalbe einige ihrer Werke im Gardeleger Krankenhaus aus. | Foto: Donald Lyko

Die Ausstellung sei "ein richtiges Bonbon", versprach die Vorsitzende des Künstlerstadt-Vereins, denn die Studenten "gieren danach, Raum für Ausstellungen zu bekommen". Für den Lebenslauf eines Künstlers sei es gut, wenn er sich präsentieren kann. Im Foyer der Cafeteria und im angrenzenden Flur sind Arbeiten von mehreren Stipendiaten des Sommercampus zu sehen. Die Werke - entstanden während der Zeit in Kalbe - werden mehrere Wochen zu sehen sein, zum Teil sind die Künstler selbst schon wieder abgereist. Nicht nur Chefarzt Dr. Michael Schoof als Ärztlicher Direktor begrüßte am Sonnabend die Gäste der Vernissage, sondern auch Dr. Bernd Hahndorf als Vorsitzender des im Sommer vergangenen Jahres gegründeten Fördervereins. Der hat derzeit etwa 30 Mitglieder und möchte "das Krankenhaus begleiten". "Und jetzt sind auch alle juristischen Hürden genommen. Wir sind jetzt ein hundertprozentiger Verein", sagte der Vorsitzende. Darum könne der Verein zur Förderung des Altmark-Klinikums Haus Gardelegen nun auch Spenden sammeln. Die aktuelle Ausstellung im Krankenhaus ist das zweite Projekt. Das erste war, ein Vereinsmitglied zur Patientenfürsprecherin zu machen. "Das läuft sehr gut, das ist eine ganz erfreuliche Sache", sagte Bernd Hahndorf. Ein weiteres Projekt läuft schon seit einigen Monaten: die Vorbereitung eines Gartens der Sinne für das geriatrische Zentrum. Und dann ist auch schon eine nächste Ausstellung ins Auge gefasst, eine mit Fotografien. Nach der Premiere in diesem Jahr, so wünscht es sich der Vereinsvorsitzende, könnte sich außerdem eine weitere Zusammenarbeit mit der Künstlerstadt Kalbe entwickeln.

Copyright © Volksstimme 2014 Dokument erstellt am 2014-09-08 02:29:44 Letzte Änderung am 2014-09-08 02:29:44 http://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/gardelegen/1337828_Kunst-im-Krankenhausflur.html

 

Improvisationen zwischen zwei Glockenschlägen

Vier Stipendiaten der Kalbenser Künstlerstadt luden zu einem einmaligen Klangerlebnis in die Kirche ein

Von Maik Bock

Kalbe* Außergewöhnliche Installationen und auch musikalische Improvisationen benötigen, damit sie richtig auffallen, einen On der genauso aufregend ist wie das Kunsterlebnis selbst. Ein solcher Ort war am Donnerstagabend die Kalbenser Stadtkirche. Eine Stunde lang gab es dort Musik und die dauerte genau vom Glockenschlag um 20 bis zum Glocken schlag um 21 Uhr und zog an die 80 Besucher in ihren magischen Bann. Denn genau 60 Minuten lang erklang ein frei improvisiertes Konzert von vier Stipendiaten des Sommercampus der Künstlerstadt.
"Experimental Pott Music" nannten die vier Dresdner Musiker Steffen Roth am Schlagzeug, Frontmann Marius Moritz an der Orgel sowie Mark Weschenfelder und Jonathan Strauch am Saxofon ihr Zusammenspiel. Zunächst einmal begrüßte allerdings Künstlerstadtvereinschefin Corinna Köbele die Gäste und stellte die vier Musiker vor. Was die mitgebracht hatten seien, sagte Köbele, "Sound-CoIlagen, Orgelexperimente, Resonanzerfahrungen und Instru-menteninstallationen". Wer jetzt allerdings an eine Band mit vier Mitgliedern dachte, die vor dem Altar die Kirche rocken, wurde überrascht, denn das Quartett hatte sich im Raum der Kirche verteilt. So saß Marius Moritz oben an der Orgel, Steffen Roth mit dem Schlagzeug vor dem Altar, Mark Wcathenfelder rechts oben auf der Empore und Jonathan Strauch links oben auf der Empore - und so gab es ein musikalisches Klangerlebnis im Quattroeffekt, das schon aus diesem Grund fasziniere.
Aber auch die Optik war spannend: In der Kirche erhellte nämlich kein elektrisches Licht den Raum. Lediglich über der Orgel sorgte eine kleine Lumpe dafür, dass die Tasten zu sehen waren.Die Saxophonisten und der Drummer waren im Lichtschein der Teelichter nur zu erahnen. Zumal es mit fortlaufender Zeit immer dunkler wurde und die vorbeifahrenden Auto mit ihren Scheinwerfern Lichtspiele an die Kirchendecke und Wände zauberte. All das machte den Abend zu einem einzigartigen Erlebnis: Das Publikum lauschte den leisen, tiefen, aber zuweilen auch kräftigen Klängen der Orgel, den stillen und laute Anschlägen auf Trommel und Becken sowie die verschiedenen Tonvariationen der beiden Saxofone. Und mit dem letzten Glockenschlag um 21 Uhr setzte dann auch ein unglaublicher Applaussturm ein und viele Rufe nach einer Zugabe waren in der Kirche zu hören. Es sei ein Konzert gewesen, das es so in der Region noch nie gegeben hat. Darüber waren sich wohl alle Besucher der Stadtkirche einig.
Am heutigen Sonnabend, 6. September, ist ein weiteres Konzert in der Kirche geplant. Auftreten werden Marius Moritz an der Orgel und die Stuttgarter Gitarristen Thilo Ruck und Timm Roller. Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr.

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An der Orgel zog Marius Moritz alle Register brachte imposante Kläge zustande.

Schlagzeuger Steffen Roth fand seinen Platz als einziger mitten in der Kirche vor dem Altar. Auch er hatte allerdings nicht viel Licht zur Verfügung.

 

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Mark Weschenfelder stand auf der rechten Empore mit seinem Saxophon.

 

Volksstimme

 

 

"Am Ende bleibt dann wohl nur eine große Pfütze"

Cooles Projekt: Stipendiatinnen der Künstlerstadt überraschten die Besucher mit einer ungewöhnlichen, eisigen Installation

Von Gesine Biermann

Kalbe | Alles fließt - und das gilt am Sonnabend insbesondere für die Installation von Anne Könker und Laura Lagemann. Die beiden Studentinnen der Kunstakademie Münster - und zurzeit Stipendiatinnen des Sommercampus' der Künstlerstadt Kalbe - schauen an diesem Tag nämlich ihrer Kunst beim Schmelzen zu und lassen sich dabei sogar von Besuchern über die Schulter schauen. Spaß haben die zwei aber auch daran, mit den Gästen über ihre ungewöhnliche Installation zu plaudern, der sie den Namen "Die sich fortpflanzende Änderung von Zustandsgrößen" gegeben haben. Schließlich verändert sich alles permanent. Zum Beispiel der Raum, der für die beiden für einige Wochen zum Atelier wurde. Er hat deutlich bessere Zeiten gesehen. Im Laufe der Jahre verfiel er zusehends - er veränderte sich, langsam aber stetig. Teile des Raumes, Staub zum Beispiel, aber auch Steine und abgefallenen Putz, haben Anne und Laura deshalb in ihr Projekt integriert, indem sie die Materialien in Eis eingefroren haben. Aber auch pures Eis, ohne Einschlüsse, haben sie verwendet.

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Laura Lagemann (links) und Anne Könker mit ihrer Eis-Installation in ihren Atelier an der Gerichtsstraße 33. Sieben Stunden lang schauten sie mit ihren Besuchern zu, wie sich ihr Projekt veränderte. Foto: Hannes Biermann

Das meiste entstand im Eisfach von Künst-lerstadtchefin Corinna Köbele. ' Und manches blieb auch in der Tüte. "So richtig kann man irgendwie doch nicht zulassen, dass es sich auflöst", sagt Laura Lagemann. Rund 40 Liter Wasser tauen am Sonnabend langsam vor sich hin, verändern sich dabei und fließen über eine schiefe Ebene wieder zurück in den Raum. "Am Ende bleibt dann wohl nur eine große Pfütze" bedauert Laura Lagemann. Für sie ist das Material Eis eine neue Erfahrung. Anne Könker hat schon mehrfach damit gearbeitet. Und sie sorgt schließlich auch dafür, dass doch etwas bleibt: Nämlich Fotos der dahinschmelzenden Kunst, die sie in Abständen aufnimmt. Vielleicht gefiel die Installation nicht jedem Besucher. Cool und zum Dahinschmelzen war das Projekt aber jedenfalls - im wahrsten Sinn des Wortes.

© Volksstimme, 9.September 2014, Gardelegener Kreisanzeiger, S. 19

 

Willkommen in der Zeitungshöhle

Ein Konstrukt aus Hasendraht, Dachlatten und vor allem aus ganz vielen Zeitungen erwartet die Besucher von Robert Buschbacher und Johanna Stenzel heute ab 18 Uhr in ihrem Künstlerstadtatelier an der Ernst-Thälmann-Straße 21-22. Die beiden zukünftigen Bühnenbildner und ihr Freund, Musikstudent Pascal Jurek, stellen ihre begehbare Installation "Raum(ent)kopplung" vor. Ihr Projekt ist eines der letzten, die in diesem Sommercampus bei einem Rundgang zu sehen sein werden. Am Sonnabend ist dieser nämlich offiziell zu Ende.

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Foto: Gesine Biermann

Volksstimme, 11.9.2014, Gardelegener Kreisanzeiger, S.17

 

"Die Idee setzt sich immer mehr fest"

Er ist vorbei, der Sommercampus der Künstlerstadt Kalbe. 54 Stipendiaten aus elf Nationen waren dabei, die Kalbenser waren tolle Gastgeber und Vereinschefin Corinna Köbele ist sicher, dass es weitergeht - und wie.

Von Gesine Biermann

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"Timm Roller (links) und Thilo Ruck hatten schon vor Tagen für tolle Musik in der Kirche gesorgt. Die Stehlampe schaffte es am Freitagabend auch wieder in die Festscheune. | Foto: G. Biermann"

Kalbe l Sie hat einen schönen Vergleich parat: "Ich habe kürzlich in einem anderen Ort ein Veranstaltungsprospekt gelesen", erzählt Corinna Köbele schmunzelnd. "Da waren auf der letzten Seite die Sponsoren aufgeführt." Würde man ein solches für den Sommercampus der Künstlerstadt erstellen, "würde es wohl sinnvoller sein, die Leute zu nennen, die nicht geholfen haben. Da würden wir weniger Platz brauchen." "Unzählige Menschen" hätten in diesem Jahr nämlich auch wieder geholfen, den Campus vorzubereiten und am Laufen zu halten, schwärmt die zierliche Vereinschefin.

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Trotz Abschiedsstimmung hatten die fleißigen Helferinnen und Vereinsmitglieder gute Laune. Fotos (3) Maik Bock | Foto: G. Biermann

"Es ist unglaublich, wie das um sich gegriffen hat." Von der Dachdeckerfirma, die schnell mal eine volle Dachrinne reinigte, über weitere Unternehmen, Sponsoren, Leute, die Einweckgläser oder Essen vorbeibrachten, Menschen die putzten, Stipendiaten betreuten, Fahrräder oder Möbel spendeten... "ob Bank oder Sparkasse, Firma oder Privatperson, es ist unglaublich, wie das um sich gegriffen hat." Und so füllt sich schließlich auch am Freitagabend wieder wie von Zauberhand der Tisch mit den Speisen. Es ist wie beim Tischlein deck dich: Fast jeder, der kommt, um den Abschluss des Sommercampus mitzufeiern, hat etwas mitgebracht. Alle anderen helfen beim Dekorieren, beim Tischdecken oder beim Aufstellen der Gläser, die den Gästen auch später im Dunkeln den Weg in die Scheune weisen sollen, die an diesem Abend selbst wie ein kleines Kunstwerk aussieht.

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Viele Freundschaften wurden unter den Studenten geschlossen. Am Freitag saßen sie am Lagerfeuer fröhlich zusammen. | Foto: G. Biermann

Sie gehört übrigens dem Kalbenser Attila Wiechmann "und ich habe schon lange ein Auge darauf geworfen", sagt Corinna Köbele. Das Gebäude sei nämlich ideal für solche Veranstaltungen der Künstlerstadt. Zählt man sie mit, - und das darf man wohl - sind es mittlerweile elf Häuser, die dazu gehören, die entweder Unterkünfte oder Ateliers der Stipendiaten sind. Und über sie freut sich Corinna Köbele natürlich am meisten. Mit ihren Kunstwerken, Installationen, Filmen und in diesem Jahr sogar mit den tollen Konzerten, hätten sie auch diesmal wieder viele Anregungen gegeben. "Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sich Menschen plötzlich mit Kunst auseinandersetzen, die sie sonst gar nicht beachten würden". Denn darum gehe es doch. Menschen sollten angeregt werden, über Kunst nachzudenken. Nicht jeder müsse alles schön finden, was die Kunststudenten so bauen, malen, komponieren, schreiben oder installieren. Allein der Austausch darüber sei doch schon toll.

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Vereinschefin Corinna Köbele sammelt schon für den Sommercampus 2015. | Foto: G. Biermann

Und das habe in diesem Jahr doch wieder wunderbar funktioniert, schwärmt Köbele. Bei den Rundgängen durch die Ateliers, aber auch "abends am Lagerfeuer oder auf der Straße", überall seien die Kalbenser oder Menschen von außerhalb mit den Stipendiaten ins Gespräch gekommen. Es habe interessante Kontakte zwischen den jungen Leuten und den Einheimischen genau so gegeben, wie sich die Studenten untereinander befruchtet hätten. Und mancher, dessen Bewerbung ihr zunächst nicht so gefallen habe, sei "hier richtig abgegangen", versichert sie schmunzelnd. "Im Herbst kommt noch was ganz Großes auf uns zu." Toll findet Köbele aber auch, dass die Künstlerstadt mittlerweile auch andernorts in den Köpfen der Menschen sei: "Man denkt an uns", sagt sie. Ein Beispiel sei unter anderen das Gardeleger Altmark-Klinikum, wo erstmals in diesem Sommer Stipendiaten der Künstlerstadt ausstellen durften. "Die Idee setzt sich immer mehr fest." Menschen zusammenbringen, das ist es, was die Wahlkalbenserin mit ihrer Künstlerstadtidee schaffen möchte. Ein Alleinstellungsmerkmal für Kalbe schwebt ihr dabei vor. Vor ihrem geistigen Auge hat Köbele dabei immer noch die österreichische Stadt Gmünd. So etwas möchte sie für Kalbe auch erreichen. "Aber natürlich geht das nicht von heute auf morgen", schätzt sie realistisch ein. Man dürfe auch nicht vergessen: "Unser Verein existiert ja erst seit eineinhalb Jahren." In dieser Zeit habe er aber bereits zwei Mal einen Sommercampus und sogar einen Wintercampus für junge Kunststudenten organisiert. Ach so: Wird es denn auch 2014 wieder einen Winter- und 2015 wieder einen Sommercampus geben? "Aber ja, ja, ja", sagt Corinna Köbele. Und es werde auch im Herbst noch etwas passieren. "Da kommt was ganz Großes auf uns zu", verspricht sie. Die Kooperationspartner würden schon in den Startlöchern stehen. "Und es wird noch mal eine ganz andere Ebene sein, als das, was wir bisher hier hatten."

URL: http://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/gardelegen/1341413_Die-Idee-setzt-sich-immer-mehr-fest.html © 2014 Volksstimme